Herbstmail 2007
Lebenszeichen
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HeYOuThere Gesellschaft mit beschränkter Haftung an der Zeitenwende. 28. Oktober 2007 Nun ist es doch soweit. Es ist für mich sehr schwer meine Begrenztheit zu akzeptieren. Nicht immer die rechten Argumente und Worte zu finden. Die wunderschönen Satzkonstrukte und Erkenntnisse andere Menschen lähmen mein Selbst-Bewusst-Sein. Und doch. Irgend wann überwindet man seine Depri. Irgendwann reichen einem die Lobpreisungen aus den Medien. Die Gefühle überwältigen mich dann doch von Zeit zu Zeit. Und ich schreibe mal wieder etwas auf, in einer Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung und Wut. Bruchstücke aufsammeln – Stimmungen fühlen – Informationen weiter geben – zu mehr reicht es halt im Moment nicht. Achtsamkeit ist ein ziemlich hartes Geschäft. Wirtschaftsaufschwung aller Orten! Allen geht es ja sooo gut. Die Globalisierung schafft Arbeitsplätze. Schaft Wohlstand(wenn auch bescheiden). Die Große Koalition schafft Arbeitsplätze. Die Reformen wirken. Alles geht voran. Ein Lob auf die Agenda. ((Warum wird mir schlecht bei den Nachrichten?)) Wir sind wieder Spitze. Die Einkommen steigen an. Gibt es noch Zweifler? Sollte ich nicht an mir selber zweifeln? Haben nicht die Wirschaftsauguren recht behalten? In einer Welt in der nur noch das Kapital zählt. In einer Welt in der Kriege genauso vermarktet werden wie Softdrinks. In einer Welt in der Effizienz und Macht die Triebfedern unseres Handelns sind. Ich bleibe zurück. Meine Schwächen, meine Behinderungen, mein Unvermögen und mein Alterungsprozess lassen mich in einem Dunstkreis einer Abwärtsspirale ertrinken. Irgendwann in nicht all zu ferner Zukunft werde ich der Entsorgung anheim fallen. Werde ich abgelöst durch eine neue Art von Untertan. Dieser wird besser funktionieren, weniger aufmüpfig sein. Gesünder, stabiler und mehr leisten als sein Vorgänger Modell. All die Tränen um ein selbst bestimmtes, freies Leben, sie werden vergeblich gewesen sein. Überrollt von einer Dynamik die keine Grenzen kennt. Kleinkariert und neidig und unwissend. Weit entfernt vom aufrecht gehenden geraden Menschen, stehe ich heute schon da und frage mich wo mein Platz in der Gesellschaft ist. Ich mag keine Börsennachrichten mehr hören - jeder 10 in Deutschland hat Aktien - aber jeder 5 ist überschuldet. Armutsberichte das wäre fairer. Was will ich eigentlich? Achtsamkeit. Ich will, dass es um den Menschen geht. Das ist schon alles. Was sind die Konsequenzen daraus? Ich will,dass das Leben des Menschen nicht davon abhängig ist, was er arbeitet. Ich will,dass es nicht davon abhängt welches Geschlecht, welches Alter, welche Leistungen er vollbringen kann, wo er geboren ist und wer seine Eltern sind. Ich will den puren Menschen in all seiner Schönheit seinem Glanz, seiner Vergänglichkeit und seinen Schwächen, frei und umgebunden sehen. Dazu muss seine Existenz gesichert sein. Arbeit und Leistung dürfen nicht die Grundlage seiner Existenz sein! Erst dann kann er sich frei und in Würde entfalten zu dem Was ich mir unter einem Menschen vorzustellen vermag. Warum lehne ich den Staat und die Demokratie ab? Dieses Konstrukt ist nicht mehr zeitgemäß. Die Größe und Willkür dieser Gebilde ist kein menschliches Maß mehr. Gerechtigkeit kann nur in menschlich zu erfassenden Dimensionen erreicht werden. Anonymität ist eine gute Grundlage für Entschuldigungen aller Art. Delegation kann nur im persönlichen Miteinander wirklich zu Verantwortung führen. Der Mensch kann sich erheben zu selbst bestimmtem, verantwortungsbewussten Leben. Das Leben des Menschen, da endlich, wird wahrscheinlich niemals frei sein von Trauer, Schmerz und Leid, aber es kann auch voll sein, von Schönheit, Liebe, Zuneigung, Vergnügen und Erfüllung. Wer nur die Not und die Angst als Antrieb zum Handeln kennt, tut mir leid. Er kann sich daher wohl auch mit dieser unserer Situation abfinden, oder mit marginalen Änderungen zufrieden sein. Wer aber mehr will und den Glanz des Himmels spüren kann, der ist getrieben von der Sehnsucht nach neuen, anderen Verhältnissen. Nach genussvollen großen Taten und der Teilhabe aller an seinem Schauen. Wer soll das bewerten können? Ist es nicht der richtige Weg der im Moment gegangen wird. Ich denke leider nein. Zu viele Fakten sprechen dagegen. "Aber es ist doch so vieles besser geworden!" Vielleicht. Fahren wir nicht mit ziemlich hohen Geschwindigkeit auf ziemlich gefährliche Abgründe zu? "Aber das lässt sich doch nicht ändern". Stimmt, aber ich will es trotzdem ändern. Achtsamkeit. Ich fordere eine Durchdringung der Situation mit viel Geist und viel Herz. Ich fordere eins werden mit den Problemen. Ich fordere konsequentes Handeln im Persönlichen. Ich fordere Engagement in der Öffentlichkeit. Ich fordere Bekenntnisse. Der Traum ist aus - doch ich werde alles geben, damit er Wirklichkeit wird.

